Ines Agostinelli Portrait

 

 

 

 

 

Ines Agostinelli zeigt, was Menschen an sich selbst bindet. (Thomas D. Trummer)

Ines Agostinelli arbeitet medienübergreifend, oft partizipativ und prozessorientiert, stets basierend auf Recherche und Feldforschung. Ihr künstlerisches Interesse gilt den Wechselwirkungen von Individuum und Kollektiv, gilt dem Universalen im Individuellen. Die Manifestationen sind divers: vom Wandbild zur Publikation, von der Installation zum Workshop, von der Skulptur zum Symposium.

Die „greifbaren“ der Arbeiten umschließen einen malerisch-zeichnerischen Bereich, einen konzeptuell-installativen sowie einen fotografischen. Dieser ist stark mit dem kollektiven Bildgedächtnis verwoben, mit Repräsentation und Identität. Fest steht, dass Bild und Bilderfahrung in Agostinellis Werken aus dem Gleichgewicht kommen, weil sie sich verflüssigen und ineinander fließen. Kaum zu unterscheiden, ob hier Bilder eine Erinnerung oder Erinnerungen ein Bild auslösen. *

Die konzeptuell-installativen Arbeiten beschäftigen sich mit Fragen soziokultureller Relevanz und manifestieren sich vorwiegend in groß angelegten, partizipativen Projekten für öffentliche Institutionen wie das Österreichische Frauenmuseum (Erinnerungslexikon, 2017/18), das vorarlberg museum (Soziale Skulptur, 2015-17) oder den ORF (Song of Myself, 2011/12).

Umfangreiche, teils kuratorische Projekte beschäftigen sich mit spezifischen historischen Gebäuden und ihren aktuellen wie vergangenen gesellschaftspolitischen Bedeutungen (wie Kuranstalt, 2010, und Vom Luftholen, Lungenheilstätte Gaisbühel, 2013-15).

Die malerisch-zeichnerischen Arbeiten stellen sich in überwiegend großen Formaten der reinen, unmittelbaren Bilderfahrung. Hierin finden auch sämtliche der konzept- und sprach-orientierten Auseinandersetzungen ihren nicht-sprachlichen Ausdruck, Fortgang und Brennpunkt.

Neben klassischen Malgründen wie Leinwänden und Papieren sind es dabei auch oft Gegenstände wie Möbel, Apparate und Paneele oder architektonische Elemente wie Wände, Säulen und Fenster, auf denen malerisch-zeichnerische Gesten die ihnen jeweils eigene Geschichte fortschreiben.

In zeitintensiven Arbeitsprozessen entstehen monumentale und dennoch fragile Strukturen archaischer Form, reine Abstraktion, die dennoch stets Organisches, Gewachsenes, Körperhaftes, Lebendiges assoziieren lässt.** Zugrunde liegt ein weniger naturwissenschaftliches und viel mehr humanistisches Interesse am Menschen und seiner Wahrnehmung von biographischen Wegmarken und Zuschreibungen, Herkunft und Erinnerung – am Ich, seinem Selbst, seinem Kollektiv und deren Durchmessen der Welt.***

* Thomas D. Trummer in: Ines Agostinelli, Song of Myself. Hg. ORF Vbg, Bucher 2012
** Karla Starecek in: Rising Stars – Die junge Szene in Österreich. PARNASS 03/2014
*** Ines Agostinelli in: Zukunft der Malerei, Hg. Essl Museum, 2014

1978 geb. in Bregenz
1996-97 USA-Aufenthalt
1997-2000 Studium Fotografie und visuelle Medien sowie Meisterklasse für Grafik an der Graphischen/Wien; 2000 Diplom
2001-06 Studium Medien- und Raumkunst an der Universität für Angewandte Kunst, Wien; 2006 Diplom

seit 2003 zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen sowie einzelne kuratorische Projekte:

u.a. Essl Museum bei Wien, Kunsthalle Wien, Project Space; Quartier für digitale Kultur, MQ Wien; Projektraum Viktor Bucher, Wien; vorarlberg museum, Bregenz; Künstlerhaus Bregenz; Kunstforum Montafon, Schruns; Österreichisches Frauenmuseum, Hittisau; Remise Bludenz; Forum Stadtpark, Graz; Kunstraum Engländerbau, Vaduz (FL); Vitra Campus bei Basel; Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr (D); Kunstmuseum Kemi (FIN); Alliance Francaise, Nairobi (EAK); Centre d´ Art Contemporain, Genf (CH)

Atelierstipendien u.a. von BMUKK und Land Vorarlberg, Staatsstipendium für künstlerische Fotografie/BMUKK.
Seit 2015 Leitung der Art Class des Kunsthauses Bregenz

 

Publikationen (Auswahl):

pflege das leben. Hg vom Österreichischen Frauenmuseum, erscheint 2018

Ines Agostinelli. Künstlerin im Gespräch. Hg. vom vorarlberg Museum, 2017

Vom Luftholen. Lungenheilstätte Gaisbühel. Hg. Ines Agostinelli in Kooperation mit dem vorarlberg museum, 2015; Texte: Thomas D. Trummer, Walter Zirker, Ines Agostinelli

Die Zukunft der Malerei. Hg. Essl Museum, 2014

Jenseits der Ansichtskarte. Die Alpen in der Fotografie. Hirner, München, 2013

Buchstäblich Vorarlberg, vorarlberg museum, 2013

Licht, Hg. Kunstforum Montafon, 2013

Song of Myself, Hg. ORF Vbg, Bucher 2012; Texte: Thomas D. Trummer, Cornelia Offergeld

Kuranstalt, Hg. Ines Agostinelli/Roland Haas, Bucher 2010; Text: Roger Martin Buergel

Wien Ansich(t), Hg. Kro Art Gallery, Wien, 2008

Der unwillkommene Widerspruch, Bucher 2007

Unsere Natur liegt in der Bewegung, Hg. Kunstforum Montafon, Bucher 2007

Das Gute muss nicht immer das Böse sein, Remise Bludenz, Bucher 2007

Tandem, Hg. Mülheimer Kunstverein, Kerber Verlag, Bielefeld/Leipzig, 2006

Wintersport, Hg. Kunstforum Montafon, Bucher 2006

Bildende Kunst in Vorarlberg 1945-2005, Hg. Vbg. Landes­­museum und Kunsthaus Bregenz, 2006

ICH, Bucher 2005

SilvrettAtelier 2004, Hg. Vorarlberger Illwerke AG, Bucher  2005

Nachschub, Bucher 2004

Die Grenzen meiner Sprache, Bucher 2004